Jul 30 2007

Sei ein Hund! Aus Knetmasse!

maxx | Tests » Storyboard » Drehbuch » Pre-Produktion | 0 Kommentare

Beim Erstellen eines Animatics stellen sich für die beteiligten Akteure in der Regel zwei Fragen. Erstens: Funktioniert unser in vielen Monaten ausgetüfteltes Storyboard auch noch, wenn man es Szene für Szene mit echten Menschen nachstellt die genau jene Bewegungen ausführen sollen, welche später aufwändig animiert werden müssen? Zweitens: Wie verdammt noch mal soll man einen Koyoten oder Hund in einer Wüstennacht spielen, der zu allem Überfluss auch noch aus Knetmasse besteht?

Wir wollten die Antworten. Also quälten wir uns an einem Feiertag ins Videolabor der Uni, stellten Bürostühle als Felsen oder Kakteen vor eine blaue Wand und wurden zu einem Koyoten…

… und zu Hunden. Vor allem zu vielen Hunden.

Großen und kleinen, dicken und dünnen, stinkigen Kötern und It-Doggys, fies kläffenden Tölen und entspannten Muchachos. Wir drehten Prä-Ponanza, dilettierten den ganzen Tag vor der Kamera, schnitten unser Machwerk wenig später mit geliehenen Soundtrack-Schnippseln zusammen und wissen jetzt: Erstens: Das Storyboard funktioniert. Im Großen und Ganzen. Zweitens: Knetmasse-Figuren bekommen keinen Muskelkater. Wir schon.

Insgesamt war das Ergebnis unserer zweiten Animatic-Produktion ernüchternd und euphorisierend zugleich. Ernüchternd, weil wir einsehen mussten, dass unser fertig geschnittenes Filmchen eineinhalb Minuten über der von uns angepeilten Fünf-Minuten Marke lag, obwohl einige Szenen noch eingefügt werden müssen. Euphorisierend, weil viele Szenen schon in dieser abstrakten Form eine überaus humorige Wirkung entfalten und das dramaturgische Grundgerüst zu tragen scheint.

So stehen wir kurz vor Drehbeginn nach wie vor mit einigen dringend nötigen Arbeitsschritten der Pre-Production in der Kreide, müssen das Feintuning der Auflösung und des Storyboards mit Hilfe unseres Filmchens vornehmen und uns entscheiden, wo wir noch zusätzliche Einstellungen benötigen, und welche Szenen der vorauseilenden Schere zum Opfer fallen werden. Hier zeigt sich einer der generellen Unterschiede zur gewöhnlichen Film- oder Video-Produktion: Wir müssen den Film im Kopf fertig haben, bevor die Klappe zum ersten Trickfilm-Frame fällt. Schließlich haben wir nur eine begrenzte Zahl von Dehtagen zur Verfügung und können nicht ad hoc eine Szene auf Verdacht drehen, die wir dann später wieder rausschmeißen. Aber so ist er eben, der verformende Alltag des Stopmotion-Animators: Bevor man den Hund aus Knetmasse modelliert, muss man selbst zum Hund aus Knetmasse werden! Gott sei Dank haben wir schon bald den ersten Drehtag. Diese ganze verkopfte Vorproduktion knetet einem allmählich die Hirnwindungen weich…

breaker

Nov 29 2006

Besprechungen über Besprechungen

Daniel | Storyboard » Pre-Produktion | 0 Kommentare

Die gestrige Sitzung war geprägt von Besprechungen und Organisation.

So berichtete Maria, dass Sie beim Augsburger Ideenhaus Interesse für eine Kooperation wecken konnte. Im Gegenzug zur Platzierung des Firmenlogos im Abspann und auf Plakaten würden wir Material erhalten, dass wir für den Bau des Settings und der Figuren benötigen. Auch die Beleuchtung dürfte nun gesichert sein aufgrund der Scheinwerfer, die Marco in seinem Keller wieder gefunden hat.

Nachdem das geklärt war, begutachteten wir Max’ erste Versuche für das Storyboard. Max hatte dabei ausgezeichnete Ideen: der Kojote soll zum Beispiel von einem Gebüsch auf einer Klippe aus die schlafenden Hunde beobachten und seine Ziele ausmachen, bevor er hinabklettert und sich anschleicht. Dass der Berg dabei nach oben hin immer steiler wird, soll im Verlauf der Story noch entscheidend sein…

Bei der Besprechung kamen noch mehrere Fragen auf, die teils gleich geklärt wurden (z. B. ob der Hundeboss in einer Hundhütte schlafen soll), teils noch einiger Überlegung bedürfen (z. B. welcher Hunderasse der Boss angehören soll und ob er eher majestätisch oder eher lachhaft aussehen soll). Zudem stellte Marco fest, dass wir mehr Hindernisse in der Story brauchen, damit der Zuschauer sich in den Hauptcharakter hinein versetzen kann.

Als wir uns unterhielten, wie die Schlucht, in der sich die Hunde aufhalten sollen, aussehen soll und wie groß sie sein soll, kamen wir auf einen altes Problem zurück: der Drehort. Immer noch strotzen wir vor Ideen, haben aber - nicht einmal in der Uni - keinen Raum zur Verfügung, wo wir diese umsetzen können! So müssen wir immer noch bei einem möglichen Drehort auf eine Antwort warten; der Idee, einmal in der ehemaligen Reese-Kaserne nachzufragen, wird Maria nachgehen.

Nun galt es noch weitere Fragen zu klären:
Da wir wohl keine Möglichkeit haben werden, wie bei Hennen Rennen ein großes Set zu bauen, bei dem man von einem Gerüst aus die Figuren bewegt, müssen wir wohl zu technischen Tricks wie der “Forced Perspective” greifen, wie es Aardman bei Wallace and Gromit schon mehrmals getan hat.

Auch kam zur Sprache, ob unsere Figuren und das Set eher stilisiert oder realistisch werden soll. Wir kamen zu dem Schluss, dass die Figuren so stilisiert sein sollten wie bei den Warner-Bros-Cartoons - nur natürlich in 3D. Als Anschauungsbeispiel zeigte uns Marco ein Dromedar, das er einmal erstellt hat.

Um die Figuren stilistisch einheitlich zu entwickeln bzw. zuerst einmal eine Einführung in das Modellieren zu bekommen, vereinbarten wir eine zusätzliche Sitzung am Sonntag bei Janine.

Zum Ende der Sitzung gingen wir noch gemeinsam die Materialliste durch, die eventuellen Sponsoren vorgelegt werden soll als Richtlinie, was alles für den Film benötigt wird. Dabei erklärte uns Marco, wofür wir die einzelnen Materialien brauchen werden und wie wir sie verarbeiten werden. Beispielsweise werden wir glänzende weiße Perlen von einem in einen Bohrer eingespannten Zahnstocher drehen lassen, um mit einem schwarzen Pinsel/Stift kreisrunde Pupillen zu erhalten.

breaker